
Liebe Community,
am 07. Mai 2026 lud die Koordinationsstelle „Wohnen im Alter“ zu einer Exkursion ins Achental im Landkreis Traunstein ein. Rund 30 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit in den Gemeinden Marquartstein, Unterwössen und Reit im Winkl eindrucksvolle Praxisbeispiele kennenzulernen, die zeigen, wie kommunale Seniorenarbeit aktiv gestaltet werden kann.
Im Mittelpunkt der Exkursion standen dabei folgende Fragestellungen:
· Wie können Kommunen gute Rahmenbedingungen schaffen, damit Ältere möglichst lange selbstbestimmt
und gut versorgt in ihrem vertrauten Umfeld leben können?
· Welche Rolle haben dabei seniorengerechte Quartierskonzepte?
· Wie kann gemeinschaftliches Wohnen im ländlichen Raum gelingen?
Gemeinsamstärker: Interkommunale Seniorenarbeit im Achental
Den Auftakt der Exkursion machte Bürgermeister Andreas Scheck aus Marquartstein. Er berichtete über die Entwicklung der kommunalen Seniorenarbeit im Achental und die enge Zusammenarbeit der neun Gemeinden der Ökomodellregion Achental.
Früh wurde deutlich, dass die Zahl älterer Menschen steigt und sich damit auch die Anforderungen an Wohnen, Pflege und soziale Teilhabe verändern. Deshalb entwickelten zunächst vier Gemeinden ein gemeinsames Seniorenkonzept mit Pflegebedarfsberechnung. Mittlerweile wird die Zusammenarbeit auf alle neun Kommunen der Region ausgeweitet.
Besonders eindrucksvoll war die Haltung der beteiligten Gemeinden: Seniorenarbeit soll nicht allein dem freien Markt überlassen werden. Vielmehr möchten die Kommunen die Entwicklung aktiv gestalten und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Seniorengerechte Quartierskonzepte als Motor für Veränderung
Im Achental gibt es inzwischen mehrere seniorengerechte Quartierskonzepte, die über die Förderrichtlinie „Selbstbestimmt Leben im Alter – SeLA“ gefördert werden.
Drei der Quartiersmanagerinnen - Brigitte Schmitz, Romana Zuber und Ulrike Speicher - stellten ihre Arbeit vor und berichteten von ihren Erfahrungen in den Gemeinden Marquartstein, Unterwössen und Reit im Winkl. Dabei wurde deutlich: Die Herausforderungen sind ähnlich, die Lösungen jedoch oft individuell.
Zu den wichtigsten Aufgaben gehören die Beratung älterer Menschen und ihrer Angehörigen, die Förderung sozialer Teilhabe, der Aufbau von Nachbarschaftshilfe sowie die Umsetzung pflegepräventiver Angebote und Projekte vor Ort.
Beeindruckend war dabei die Vielfalt der Maßnahmen – von Ortsbegehungen zur Verbesserung der Barrierefreiheit über einen Seniorenfahrdienst bis hin zu Demenzschulungen für Angehörige oder einem organisierten Mittagstisch.
Gemeinschaftlichwohnen in Unterwössen
Ein besonderes Highlight der Exkursion war die Besichtigung des Mehrgenerationenwohnprojekts der MARO Genossenschaft in Unterwössen.
Die Wohnanlage mit 32 barrierefreien Wohnungen verbindet selbstständiges Wohnen mit gemeinschaftlichen und inklusiven Strukturen. Mehrere Bewohnerinnen und Bewohner nahmen sich Zeit, die Teilnehmenden durch die Anlage zu führen und von ihrem Alltag zu berichten.
Dabei wurde schnell deutlich: Hier ist mehr entstanden als nur Wohnraum. Die Bewohnerinnen und Bewohner engagieren sich in verschiedenen Arbeitsgruppen, unterstützen sich gegenseitig und gestalten ihre Hausgemeinschaft aktiv mit.
Auch die Gemeinde profitiert von dem Projekt: Die Ortsmitte wurde belebt und neue soziale Treffpunkte geschaffen.
Die Exkursion ins Achental hat einmal mehr gezeigt: Gute Seniorenarbeit beginnt lange vor einer möglichen Pflegebedürftigkeit.
Es braucht Kommunen, die Verantwortung übernehmen, Menschen, die Ideen entwickeln und umsetzen, sowie starke Netzwerke vor Ort. Seniorengerechte Quartierskonzepte können hierfür ein wichtiger Motor sein. Ebenso wurde deutlich, dass gemeinschaftliche Wohnformen gerade im ländlichen Raum eine attraktive Ergänzung zu bestehenden Wohn- und Versorgungsangeboten darstellen können.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Beteiligten für die spannenden Einblicke, die Offenheit und den inspirierenden Austausch.
Einen ausführlichen Exkursionsbericht finden Sie hier.