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NEWS: Gemeinsam neue Wege gehen – Eindrücke von der Exkursion nach Reischach und Simbach am Inn

Liebe Community,

wie können innovative Wohn- und Pflegeangebote im ländlichen Raum entstehen und welche Rolle können dabei Bürgerengagement, genossenschaftliche Strukturen und neue Wohnkonzepte spielen?

Diesen Fragen widmete sich die Exkursion der Koordinationsstelle Pflege und Wohnen in Bayern nach Reischach im Landkreis Altötting und Simbach am Inn im Landkreis Rottal-Inn. Im Mittelpunkt standen zwei unterschiedliche Ansätze, die älteren und pflegebedürftigen Menschen ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung ermöglichen: eine genossenschaftlich organisierte ambulant betreute Wohngemeinschaft (abWG) sowie Service-Wohnen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Erste Station war die Gemeinde Reischach. Dort entstand auf Initiative der Bürgergenossenschaft Reischach eG eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für 12 pflegebedürftige Menschen. Unter dem Motto „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“ wurde die abWG im Jahr 2022 nach knapp einjähriger Bauzeit eröffnet.

Bürgermeister Alfred Stockner, Birgit Thumser als Koordinatorin der abWG, Veronika Latta, Pflegedienstleitung des Pflegedienstes St. Elisabeth in Reischach, sowie ein Angehöriger einer Mieterin berichteten über die Entstehung, Organisation und den Alltag in der Wohngemeinschaft.

Deutlich wurde dabei insbesondere die enge Einbindung der abWG in das örtliche Gemeindeleben. Örtliche Vereine, der Seniorenclub sowie weitere engagierte Bürgerinnen und Bürger tragen dazu bei, dass die Wohngemeinschaft ein selbstverständlicher Teil der Dorfgemeinschaft ist. Gleichzeitig ermöglicht die Organisationsform als Bürgergenossenschaft eine starke regionale Verankerung: Die Immobilie befindet sich im Eigentum der Genossenschaft, die nicht gewinnorientiert arbeitet und deren Steuerung in den Händen der Bürgerinnen und Bürger liegt.

Auch die Selbstbestimmung der Mieterinnen und Mieter spielt eine zentrale Rolle. Sie bzw. ihre An- und Zugehörigen organisieren sich in einem Gremium der Selbstbestimmung und entscheiden eigenverantwortlich über das Zusammenleben. Unterstützt werden sie im Alltag durch eine feste Koordinationskraft sowie einen gemeinschaftlich gewählten ambulanten Pflegedienst.

Bevor es für einen Teil der Teilnehmenden nach Simbach am Inn ging, stellte Frau Johanna Brauneis zunächst das Konzept „Service-Wohnen auf dem Bauernhof“ vor. Sie gab Einblicke in die Entstehung und Ausgestaltung des Angebots sowie in die Besonderheiten des Wohnkonzepts auf dem Matzenhof. Im Anschluss an die Vorstellung hatten interessierte Teilnehmende die Möglichkeit, gemeinsam nach Simbach am Inn zu fahren und das Service-Wohnen auf dem Bauernhof vor Ort zu besichtigen.

Das dortige Service-Wohnen befindet sich in einer umgebauten Scheune bestehend aus 13 barrierefreien Appartements sowie einem zentralen Gemeinschaftsraum mit Wintergarten und integriertem Pflegebad.

Eine Besonderheit des Matzenhofs ist die Verbindung von Wohnen, Gemeinschaft und Sozialer Landwirtschaft. Landwirtschaftliche Flächen sowie Tiere wie Rotwild, Hühner und Katzen schaffen einen unmittelbaren Natur- und Tierbezug. Das Angebot richtet sich überwiegend an ältere Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungs- und Pflegebedarfen, steht grundsätzlich aber auch jüngeren Menschen und Menschen mit Behinderung offen. Pflege- und Betreuungsleistungen können entsprechend dem individuellen Bedarf flexibel hinzugebucht werden.

Die beiden besuchten Projekte zeigen auf unterschiedliche Weise, wie innovative Wohn- und Pflegeangebote im ländlichen Raum gestaltet werden können. Während in Reischach insbesondere das genossenschaftliche Engagement und die enge Einbindung in die Dorfgemeinschaft prägend sind, stehen beim Matzenhof der familiäre Charakter, flexible Unterstützungsangebote sowie der Natur- und Tierbezug im Vordergrund.

Die Exkursion machte deutlich: Es gibt nicht das eine Standardrezept für gutes Wohnen und eine bedarfsgerechte Versorgung im Alter. Vielmehr braucht es Lösungen, die zu den jeweiligen örtlichen Strukturen, vorhandenen Ressourcen und den Bedürfnissen der Menschen vor Ort passen.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Gemeinde Reischach, die Bürgergenossenschaft Reischach eG, die beteiligten Akteure der ambulant betreuten Wohngemeinschaft sowie an Familie Brauneis für die Gastfreundschaft, die offenen Einblicke und den wertvollen Erfahrungsaustausch!

Über die nachfolgenden Verlinkungen finden Sie den Steckbrief der Ambulant betreuten Wohngemeinschaft Am alten Pfarrhof Reischach sowie den Exkursionsbericht.

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